E-Prüfungen
Elektronische Prüfungen gehören heute zum festen Bestandteil moderner Hochschullehre. An nordrhein-westfälischen Hochschulen wächst der Bedarf, papierbasierte Klausuren durch digitale Formate zu ersetzen – nicht nur aus Effizienzgründen, sondern auch um neue, zeitgemäße Prüfungsformen zu ermöglichen. E-Assessment NRW begleitet Hochschulen bei diesem Wandel mit Expertise, Vernetzung und konkreten Handlungsempfehlungen.
Was sind E-Prüfungen?
Der Begriff E-Prüfung (auch: elektronische Prüfung oder digitale Prüfung) umfasst alle Prüfungsformate, bei denen digitale Technologien zur Aufgabenstellung, Bearbeitung, Einreichung oder Auswertung eingesetzt werden. Die wichtigsten Formate im Hochschulkontext sind:
- E-Klausuren in Präsenz – Studierende bearbeiten Prüfungsaufgaben an Hochschulrechnern in einem kontrollierten Prüfungsraum. Dieses Format eignet sich besonders für große Kohorten und ermöglicht automatisierte Auswertung bei geschlossenen Fragetypen.
- Online-Prüfungen (Remote) – Prüfungen werden ortsunabhängig über das Internet abgelegt, etwa über das eigene Endgerät der Studierenden zu Hause. Hier sind besondere Anforderungen an Authentifizierung und Proctoring zu beachten.
- Formative E-Assessments – Begleitende, nicht-bewertete oder niedrigschwellig bewertete Testformate zur Lernstandserhebung, z. B. Selbsttests oder Übungsklausuren.
- E-Portfolios und Hausarbeiten mit digitalem Einreichungsworkflow – Kombinierte Formate, bei denen schriftliche Leistungen über Lernmanagementsysteme eingereicht und verwaltet werden.
Technische Infrastruktur
Die erfolgreiche Durchführung von E-Prüfungen setzt eine belastbare technische Infrastruktur voraus. Zentrale Bausteine sind:
Prüfungsräume und Hardware
Für E-Klausuren in Präsenz benötigen Hochschulen dedizierte Computerräume mit ausreichend Arbeitsplätzen, stabiler Netzwerkanbindung und gegebenenfalls einem gesicherten Offline-Modus (Kioskmodus), der den Internetzugang während der Prüfung einschränkt. Die Ausstattung muss regelmäßig gewartet und auf Ausfallsicherheit geprüft werden.
Netzwerk und IT-Sicherheit
Prüfungsserver müssen auch unter Spitzenlast stabil bleiben. Eine getrennte Netzwerkumgebung für Prüfungsgeräte sowie Backup-Lösungen bei Serverausfällen sind empfehlenswert. Datenschutzanforderungen gemäß DSGVO müssen dabei von Anfang an berücksichtigt werden.
Prüfungssoftware und unterstützte Systeme
An NRW-Hochschulen kommen verschiedene Prüfungsplattformen zum Einsatz:
| System | Einsatzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|
| ILIAS | E-Klausuren, Selbsttests | Open Source, weit verbreitet an NRW-Hochschulen |
| Moodle | Formative Assessments, Quizze | Flexibel, LMS-integriert |
| EDUTIEK | Textintensive E-Klausuren | Speziell für Langtext-Antworten, z. B. in Jura oder Geschichte |
| Dynexite | E-Klausuren in Präsenz | Kiosk-fähig, speziell für Hochschulen entwickelt |
Die Plattform ILIAS.nrw bündelt dabei die hochschulübergreifende ILIAS-Infrastruktur in NRW und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Institutionen.
Planung und Einführung
Die Einführung von E-Prüfungen ist kein rein technisches Projekt – sie erfordert die enge Zusammenarbeit von Prüfungsämtern, IT-Abteilungen, Lehrenden und Rechtsdezernaten. Empfehlenswert ist ein schrittweises Vorgehen: zunächst Pilotprojekte in kleineren Lehrveranstaltungen, dann schrittweise Ausweitung auf größere Kohorten. Begleitende Schulungen für Prüferinnen und Prüfer sowie klare Kommunikation gegenüber Studierenden sind dabei ebenso entscheidend wie die technische Vorbereitung.
Weiterführende Informationen zu Prüfungsformaten und didaktischen Einsatzmöglichkeiten bietet das Portal e-teaching.org der Leibniz-Gemeinschaft, das speziell für Hochschullehrende in Deutschland aufbereitet ist. Rechtliche Rahmenbedingungen – insbesondere zu Datenschutz und Prüfungsordnungen – hat die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW (LDI) in einer eigenen Handreichung für Hochschulen zusammengefasst.