Netzwerk E-Prüfungsdidaktik: Kooperation zwischen NRW-Hochschulen stärken
Digitale Prüfungen sind längst kein Nischenthema mehr an deutschen Hochschulen. Doch wer in der Praxis mit der Planung, Durchführung und didaktischen Ausgestaltung von E-Klausuren vertraut ist, weiß: Die Herausforderungen sind vielfältig und wiederholen sich hochschulübergreifend. Genau hier setzt das Netzwerk E-Prüfungsdidaktik an – ein Zusammenschluss von Lehrenden, Prüfungsverantwortlichen und E-Learning-Koordinatorinnen und -Koordinatoren aus nordrhein-westfälischen Hochschulen, die sich nicht mehr jedes Problem einzeln lösen wollen.
Warum ein eigenes Netzwerk für E-Prüfungsdidaktik?
Die Einführung digitaler Prüfungssysteme ist an jeder Hochschule mit erheblichem Aufwand verbunden. Technische Infrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen, Datenschutzfragen und didaktische Konzepte müssen aufeinander abgestimmt werden – oft ohne dass bestehende Erfahrungen aus benachbarten Einrichtungen systematisch einfließen. Das Rad wird so an vielen Stellen neu erfunden.
Das Netzwerk E-Prüfungsdidaktik entstand aus der Erkenntnis, dass NRW-Hochschulen bei diesem Thema mehr voneinander profitieren könnten als im Alleingang. Durch die Bündelung von Expertise, den Austausch von erprobten Konzepten und die gemeinsame Entwicklung von Standards entsteht ein Mehrwert, der über das hinausgeht, was einzelne Institutionen leisten können.
Ziele und Arbeitsschwerpunkte
Das Netzwerk verfolgt mehrere Kernziele, die sich gegenseitig ergänzen:
Praxiswissen teilen und dokumentieren
Im Mittelpunkt steht der strukturierte Erfahrungsaustausch. Hochschulen, die bereits E-Prüfungsverfahren etabliert haben, stellen ihre Konzepte, Workflows und Lessons Learned zur Verfügung. Das reicht von der konkreten Fragengestaltung über Prüfungsformate bis hin zu Verfahren für technische Störfälle. Dokumentierte Praxisbeispiele sind besonders wertvoll für Institutionen, die noch am Anfang stehen.
Gemeinsame didaktische Standards entwickeln
E-Prüfungen unterscheiden sich didaktisch erheblich von papiergebundenen Klausuren. Welche Aufgabentypen eignen sich für welche Lernziele? Wie lassen sich automatisiert auswertbare Formate mit anspruchsvollen Kompetenznachweisen verbinden? Das Netzwerk erarbeitet hier übergreifende Empfehlungen, die an verschiedenen Hochschulen adaptiert werden können. Wertvolle Orientierung bietet dabei auch das Portal e-teaching.org mit seiner Übersicht zu elektronischen Prüfungsformen, das didaktisch fundierte Grundlagen für verschiedene Prüfungsszenarien bereitstellt.
Lehrende qualifizieren und begleiten
Technische Systeme allein transformieren keine Prüfungskultur. Das Netzwerk legt deshalb besonderen Wert auf die Qualifizierung derjenigen, die E-Prüfungen gestalten und abnehmen. Workshops, kollegiale Hospitationen und gemeinsam entwickelte Schulungsmaterialien unterstützen Lehrende dabei, digitale Prüfungsformate souverän einzusetzen – und nicht nur als digitale Kopie der Papierklausur zu verstehen.
Hochschulkooperation NRW: Mehr als Informationsaustausch
Das Netzwerk funktioniert nicht als unverbindliche Diskussionsrunde. Hochschulen wie die RWTH Aachen, die Universität Duisburg-Essen, die Bergische Universität Wuppertal und weitere NRW-Einrichtungen bringen konkrete Projekte und offene Fragen ein, die gemeinsam bearbeitet werden. Koordiniert wurde diese überregionale Kooperation durch das Zentrum für Informations- und Medientechnologien (ZIM) der Universität Paderborn.
Arbeitstreffen und thematische Vertiefung
Regelmäßige Netzwerktreffen bilden das Rückgrat der Zusammenarbeit. Dabei wechseln sich Gastgeberhochschulen ab, was den Teilnehmenden ermöglicht, unterschiedliche lokale Implementierungen unmittelbar kennenzulernen. Thematisch werden aktuelle Fragen aufgegriffen: von neuen Prüfungsformaten über rechtliche Entwicklungen bis hin zu Barrierefreiheit und Prüfungsintegrität.
Übergreifende Ressourcen und Publikationen
Aus der Netzwerkarbeit entstehen Materialien, die über Einzelhochschulen hinaus nutzbar sind: Handreichungen für Prüfende, Checklisten für die Systemauswahl, Musterkonzepte für Prüfungsordnungsregelungen. Diese Ressourcen sparen Zeit und vermeiden Doppelarbeit – ein handfester Nutzen in einem Bereich, in dem Kapazitäten oft knapp sind.
Wer profitiert konkret?
Die Reichweite des Netzwerks erstreckt sich auf verschiedene Akteure innerhalb der Hochschulen:
Lehrende erhalten didaktische Unterstützung und konkrete Vorlagen, statt sich allein durch technische Dokumentationen zu arbeiten. Prüfungsämter profitieren vom Wissen über rechtskonforme Verfahren und bewährte organisatorische Abläufe. IT-Abteilungen tauschen technische Erfahrungen aus und können Fehler vermeiden, die andere bereits gemacht haben. E-Learning-Koordinatorinnen und -Koordinatoren finden im Netzwerk Verbündete, mit denen hochschulübergreifende Projekte möglich werden.
Nachhaltigkeit durch strukturelle Verankerung
Ein Netzwerk ist nur so stark wie seine Kontinuität. Ein zentrales Anliegen der Hochschulkooperation NRW ist deshalb, dass erarbeitetes Wissen nicht in Einzelprojekten versandet, sondern dauerhaft zugänglich bleibt. Dazu gehören gepflegte Materialsammlungen, dokumentierte Entscheidungsprozesse und eine klare Kommunikation darüber, welche Hochschulen mit welchen Systemen und Verfahren arbeiten.
Die Kooperation zwischen NRW-Hochschulen im Bereich E-Prüfungsdidaktik ist kein Selbstzweck. Sie ist eine pragmatische Antwort auf eine komplexe Aufgabe, die alle beteiligten Einrichtungen gleichermaßen betrifft – und die sich durch gemeinsames Handeln deutlich besser bewältigen lässt als im Alleingang.