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Rückblick: E-Assessment-Tagung 2016 – Trends und Erkenntnisse

Rückblick: E-Assessment-Tagung 2016 – Trends und Erkenntnisse

Die Fachtagung zu elektronischen Prüfungen im Jahr 2016 markierte einen wichtigen Meilenstein für die E-Assessment-Community in Nordrhein-Westfalen. Vertreterinnen und Vertreter aus zahlreichen NRW-Hochschulen kamen zusammen, um den Stand der Technik zu diskutieren, rechtliche Rahmenbedingungen zu klären und didaktische Konzepte weiterzuentwickeln. Der folgende Nachbericht fasst die zentralen Themen und Erkenntnisse der Veranstaltung zusammen.

Eine Community im Aufbruch

Die E-Assessment-Tagung 2016 machte deutlich, wie weit die Digitalisierung des Prüfungswesens an nordrhein-westfälischen Hochschulen vorangeschritten war – und wie unterschiedlich der Entwicklungsstand noch immer ausfiel. Während einzelne Hochschulen wie die RWTH Aachen oder die Universität Duisburg-Essen bereits auf ausgereifte Infrastrukturen blicken konnten, standen andere Einrichtungen noch am Anfang ihrer Planungen.

Genau diese Heterogenität machte die Tagung so wertvoll: Erfahrene Akteure teilten ihr Wissen, und Einsteigerinnen und Einsteiger konnten von konkreten Praxisberichten profitieren. Das Netzwerkformat des E-Assessment NRW-Projekts erwies sich dabei als ideale Plattform für diesen wechselseitigen Austausch.

Technik: Systeme im Vergleich

Ein Schwerpunkt der Tagung lag auf dem Vergleich etablierter Prüfungssysteme. Vorgestellt und diskutiert wurden sowohl spezialisierte E-Exam-Lösungen als auch der Einsatz vorhandener Lernmanagementsysteme für Prüfungszwecke. Dabei kristallisierten sich einige Kernfragen heraus:

  • Bring Your Own Device (BYOD) vs. Poolraumkonzepte: Welches Modell ist für welchen Hochschultyp geeignet?
  • Offline-Fähigkeit: Wie können Prüfungen stabil durchgeführt werden, auch wenn die Netzwerkverbindung instabil ist?
  • Skalierbarkeit: Was passiert, wenn mehrere hundert Studierende gleichzeitig eine Klausur ablegen?

Die Diskussionen zeigten, dass es keine universelle Lösung gibt. Die Wahl des Systems hängt stark von der vorhandenen Infrastruktur, dem Fachbereich und den spezifischen Anforderungen der Prüfungsformate ab.

Recht und Datenschutz: Noch offene Fragen

Besonders lebhaft verliefen die Diskussionen im rechtlichen Block. Viele Hochschulen berichteten von Unsicherheiten bei der Zulassung elektronischer Prüfungen durch ihre Prüfungsordnungen. Ein wiederkehrendes Thema war die Frage, ob bestehende Ordnungen angepasst werden müssen oder ob eine technologieneutrale Auslegung bestehender Regelungen ausreicht.

Datenschutzrechtliche Aspekte – insbesondere die Speicherung von Prüfungsdaten, die Protokollierung von Systemaktivitäten und die Anforderungen an die Identitätsfeststellung – wurden kontrovers diskutiert. Referentinnen und Referenten wiesen darauf hin, dass eine frühzeitige Einbindung der Datenschutzbeauftragten und der Prüfungsämter unerlässlich ist. Hinweise zu datenschutzrechtlichen Anforderungen in NRW finden sich bei der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW.

Handlungsempfehlung der Tagung

Die Teilnehmenden einigten sich auf eine klare Empfehlung: Hochschulen sollten frühzeitig rechtliche Beratung einholen und die Einführung von E-Prüfungen nicht als rein technisches Projekt betrachten, sondern als organisationalen Wandlungsprozess mit rechtlicher und organisationaler Dimension.

Didaktik: Prüfen neu denken

Neben Technik und Recht nahm die didaktische Dimension breiten Raum ein. E-Prüfungen bieten Möglichkeiten, die in papierbasierten Klausuren nicht existieren: adaptive Frageformate, automatisches Feedback, multimediale Aufgabentypen oder die Einbindung von Simulationen.

Gleichzeitig wurden kritische Stimmen laut. Die bloße Digitalisierung einer klassischen Multiple-Choice-Klausur sei kein didaktischer Fortschritt, so eine häufig geäußerte Position. Wirklicher Mehrwert entstehe erst, wenn das Prüfungsformat selbst überarbeitet werde – orientiert an Lernzielen und Kompetenzen.

Die Plattform e-teaching.org wurde in diesem Zusammenhang mehrfach als hilfreiche Ressource für didaktische Konzepte im Bereich digitaler Lehre und Prüfung genannt.

Kooperation als Schlüssel zum Erfolg

Eines der stärksten Signale der Tagung war das Bekenntnis zur hochschulübergreifenden Zusammenarbeit. Mehrere Hochschulen berichteten, dass sie durch die Vernetzung im E-Assessment-Netzwerk NRW erhebliche Ressourcen gespart hatten – sei es durch die Nachnutzung von Aufgabenpools, durch gemeinsame Schulungsformate oder durch geteilte technische Expertise.

Das Modell der kooperativen Infrastrukturentwicklung, wie es im Rahmen öffentlich geförderter Verbundprojekte in NRW praktiziert wird, zeigte sich als tragfähig. Die Tagung bestärkte den Wunsch vieler Beteiligter, diese Zusammenarbeit institutionell zu verstetigen.

Fazit: Impulse für die Weiterentwicklung

Die E-Assessment-Tagung 2016 war mehr als eine Bestandsaufnahme. Sie setzte konkrete Impulse: für technische Entscheidungen, für rechtliche Klärungsprozesse und für eine fundierte didaktische Auseinandersetzung mit dem Thema digitales Prüfen. Die Vielfalt der Perspektiven – von IT-Verantwortlichen über Rechtsfachleute bis hin zu Hochschuldidaktikerinnen – machte die Veranstaltung zu einem echten Querschnittsformat.

Für alle, die an NRW-Hochschulen mit der Einführung oder Weiterentwicklung von E-Prüfungen befasst sind, bleibt die Botschaft klar: Erfolgreiche digitale Prüfungsformate entstehen nicht durch Technologie allein, sondern durch das Zusammenspiel von Technik, Recht, Didaktik und institutionellem Willen zur Veränderung.